Gedankenspiel …

Ich habe letztens einen Text meinem Erstleser gegeben und war sehr erstaunt über seine Gedanken, während des Lesens des Textes. Als Schreiber hat man meistens eine feste Vorstellung davon was man beschreiben möchte und geht natürlich davon aus, dass der Leser das gleiche Bild im Kopf hat. Hier jedoch wichen die Bilder komplett voneinander ab.

Schreibt mir doch mal, was euch beim Lesen der Geschichte so für Bilder durch den Kopf gehen.
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare!


Hier also nun der Text:

L3B3N

Sie ist über mich gebeugt und ebenso heftig am Atmen wie ich. Ein dunkles, langes Kabel ist in ihrem Nacken verankert und läuft seitlich an ihr herab, bis hinunter in die verknitterten Laken.

Die zuckenden Neonröhren, die durch das Fenster scheinen, tauchen den Raum in ein surreales Licht und mir ist als würde ich fallen. – Immer tiefer.

Ich schließe die Augen.

Sie fasst mich erneut an. – Ich spüre ihre Hände auf meinem Bauch und meinen Brüsten. So weich und warm wie der Rest ihres Körpers. Ich stöhne auf als ihre kurzen Fingernägel sich unverhofft in meine Brüste graben. Schmerz durchläuft die geschundene Haut.

Ihr Körper drückt sich quälend langsam gegen meinen, dann spüre ich den kalten Stahl an meinem Leib. – Sie setzt die Schnitte so, dass sie mich nicht direkt ausschalten, dennoch schwinden mir wieder kurz darauf die Sinne.

Das Neonlicht flackert als ich zu mir komme. Ich lege den Kopf zur Seite, das andere Ende ihres Kabels ist noch immer in meinem Nacken verankert.

Dann sehe ich sie.

Ich versuche mich aufzusetzen, doch sie küsst mich so hartnäckig, dass ich mich wieder in das Kissen sinken lasse.

»Bleib noch einen Moment liegen …«, haucht sie mir entgegen.

Ich tue was sie sagt.

»…die Wunden haben sich noch nicht ganz geschlossen.«

»Es dauert immer länger …«, entgegne ich.

»Ich weiß.«, flüstert sie bedrückt. »… vielleicht … ein Upgrade?«

Ich schüttle den Kopf.

Jedes Mal, wenn ich den Körper tausche, bleibt ein Stück von mir zurück.

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