Maskenpflicht

 
Diese Geschichte gibt es auch als Hörbuch.


Schon wieder kurz vor Mitternacht, dachte ich, während ich mich beeilte zur letzten U-Bahn zu kommen. Meine Bahn fuhr kurz nach zwölf und ich hatte Angst den Heimweg zu Fuß antreten zu müssen. Der Regen hatte zwar aufgehört, doch ich war durch den letzten Schauer komplett durchnässt. Ich zog die Kapuze noch etwas weiter ins Gesicht, als ich endlich die U-Bahnstation erreichte.

»Mist, wo ist sie bloß?!«, murmelte ich nervös, während ich ungeduldig nach der Maske suchte, die ich zuvor anscheinend in eine meiner Hosentaschen gestopft hatte.

Seit ein paar Monaten herrschte an öffentlichen Plätzen Maskenpflicht, was ich durchaus verstehen kann, denn das Virus hatte sich mittlerweile so weit verbreitet, dass die nicht so stark betroffenen Städte, auf diese Weise, einen Shutdown vorbeugen wollten.

Das Wachpersonal sah mich musternd an, als ich mir die wiedergefundene Maske überstreifte.

Ich nickte und betrat dann die etwas heruntergekommene Station. Die flackernde und teils fehlende Beleuchtung tauchten die Gänge in ein unstetes Dämmerlicht, auch der deutliche Temperaturabstieg, der in den Untergrundstationen herrschte, war klar spürbar. Ich vergrub schauernd die Hände in den Seitentaschen, bis ich die Gleise erreichte. Ein seltsamer Geruch, von dem ich zuerst annahm, dass er durch das Tragen der feuchten Maske käme, drang langsam immer weiter zu mir durch. Ich ertappte mich dabei die Ursache ausfindig zu machen, konnte jedoch keine Erklärung für diesen seltsam, süßlichen Geruch finden, der allem Anschein nach aus den Tunneln der U-Bahnstation zu kommen schien.

Außer mir standen noch zwei weitere Personen auf dem Bahnsteig, die scheinbar nichts bemerkt hatten. Vorsichtig setzte ich die Maske ab und tatsächlich roch es nach etwas. Mit einem Mal glaubte ich Bewegung in den Tunneln gesehen zu haben. Ein Unwohlsein überkam mich.

Meine Bahn kam erst in zwei Minuten, also sah ich mich erneut um. Haben die anderen das auch bemerkt …?

Vorsichtig trat ich näher an den Eingang des Tunnels heran, die Gleise weiter hinten schienen feucht zu schimmern. Gerade als ich glaubte etwas genaueres erkennen zu können, hörte ich die Untergrundbahn einfahren.

Ich stieg diese Nacht nicht in die Bahn, sondern ging, trotz des wiederaufkommenden Regens, zu Fuß nach Hause. Ich bin mir nicht sicher, was genau ich gesehen oder gerochen habe. Ich will es auch gar nicht wissen! Doch seitdem meide ich diese Untergrundstation.

Ende

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